Millionen Jahre alt: Haifischzähne aus dem Urmeer
Die allerälteste Geschichte von Cadzand finden Sie buchstäblich am Strand, in Form von fossilen Haifischzähnen.
- Warmes Urmeer: vor Millionen Jahren lag dieses Gebiet unter einem warmen Meer voller Haie, Rochen, Wale und Delfine, deren Überreste am Meeresboden versteinerten.
- Sand aus der Westerschelde: zur Erhöhung des Strandes wird Sand aus der Westerschelde aufgespült, und mit ihm gelangen die Fossilien wieder an die Oberfläche.
- Selbst suchen: besonders bei ablaufendem Wasser und nach einem kräftigen Sturm stehen die Chancen gut, zwischen den Muscheln einen glänzend schwarzen Zahn zu finden; auf unserer Seite über Haifischzähne lesen Sie, wo und wie Sie am besten suchen.
Erste Bewohner und die Abteien von Gent
Ab dem Beginn des 8. Jahrhunderts finden sich in den Archiven die ersten Hinweise darauf, dass sich Menschen in der flämischen Küstenebene niederließen.
- Sumpfiges Weideland: das Land bestand aus Prielen, Salzwiesen und Marschen, die vor allem als Weideland genutzt wurden.
- Schenkungen an Gent: im Liber traditionum aus dem Jahr 941 sind Schenkungen von Küstengebieten an die Sankt-Peters-Abtei in Gent verzeichnet.
- Klöster als Deichbauer: die Genter Sankt-Peters-Abtei und die Sankt-Bavo-Abtei spielten jahrhundertelang eine große Rolle beim Eindeichen und Verwalten des Gebiets.
Cadesant: die Insel der Kaden und des Sandes
Der Name Cadzand taucht erstmals als Cadesant in einer Urkunde aus den Jahren 1111 bis 1115 auf.
- Älteste Erwähnung: Graf Balduin VII. von Flandern räumt darin ein, dass er sich den Zehnten (Kirchensteuer) von Wulpen und Cadesant angeeignet hatte, der eigentlich der Kirche von Rodenburg, dem heutigen Aardenburg, zustand.
- Bedeutung des Namens: Cadesant verweist auf Kaden (kleine Deiche) auf sandigem Untergrund; die Insel wuchs, weil die Bewohner ein Stück Salzwiese nach dem anderen eindeichten und zu Polderland machten.
- Pioniere des Deichbaus: die Deiche auf dem Ländchen Cadzand gehören zu den ältesten Westeuropas.
- Erste Polder auf Papier: 1177 verzichtete Ritter Walter van Axel zugunsten der Sankt-Bavo-Abtei auf sein Lehen auf Cadzand, und die Urkunde nennt bereits Polder wie Kerkepolre, Strine und Sumpel.
- Wachsender Klosterbesitz: einige Jahre später schenkte Graf Philipp vom Elsass der Abtei weitere 100 Gemet (ein Gemet entspricht etwa 0,4 Hektar), unter anderem im Sudpolre am Dondelinsvliet.
- Nachbarinsel Zuidzande: die nahe Insel Zuidzande entstand auf dieselbe Weise: eine alte Kirche, umgeben von immer mehr kleinen Poldern.

Leben auf einer Insel ohne Brücke
Mittelpunkt des Insellebens war die Mariakirche von Cadzand-Dorp, die im 13. Jahrhundert vermutlich von der Genter Sankt-Bavo-Abtei gegründet wurde.
- Gotische Dorfkirche: das südliche Seitenschiff, der älteste Teil, wurde zwischen 1250 und 1300 in früher Scheldegotik errichtet; Anfang des 14. Jahrhunderts kam das nördliche Schiff hinzu.
- Ein Pfarrer, der festsaß: 1231 bat Cadzand den Abt von Sankt Bavo, neben dem Pfarrer auch einen Kaplan zu ernennen, weil der Pfarrer wegen Sturm oder unruhigem Wasser manchmal tagelang nicht zurückkehren konnte.
- Fährverbindungen: die Inseln hatten feste Fährverbindungen zum Festland und untereinander; auf Cadzand verkehrte die Sint-Marieveer, benannt nach der Schutzpatronin der Kirche, und Namen wie Veerhoek und Veerhoeve erinnern noch heute an alte Übergangsstellen.
- Nachbarinsel Wulpen: die benachbarte Insel Wulpen zählte Ende des 13. Jahrhunderts sogar vier Pfarreien, ein Zeichen dafür, wie dicht diese Inseln damals besiedelt waren.
Kampf um die Zufahrt zum Zwin
Weil Cadzand an der Mündung des Zwin lag, der Fahrrinne zu den reichen Handelsstädten Brügge und Sluis, war die Insel jahrhundertelang von großer strategischer Bedeutung.
- Schlacht bei Cadzand (1337): im November 1337 griff eine englische Flotte die Insel an, eines der ersten Gefechte des Hundertjährigen Krieges zwischen England und Frankreich.
- Versandung des Zwin: ab dem späten Mittelalter verlandete das Zwin allmählich, wodurch Brügge seinen direkten Zugang zum Meer verlor.
- Prinz Moritz landet (1604): am 24. April 1604 setzte Prinz Moritz von Oranien mit einem niederländischen und englischen Heer zwischen Wulpen und Cadzand über; innerhalb von zwei Tagen ergaben sich die Forts auf der Insel, danach belagerte er Sluis und nahm die Stadt im August ein.
Festungswerke als Erinnerung: nach der Eroberung wurde das Gebiet mit Forts und Wällen gesichert, und die Festungswälle von Retranchement und Fort Nassau sind bis heute stille Zeugen davon.- Geheimer Vertrag (1670): im geheimen Vertrag von Dover versprach Frankreich Cadzand und Walcheren an England als Belohnung für die Unterstützung im Krieg gegen die Republik, doch der Angriff wurde abgewehrt und der Vertrag nie umgesetzt.
Von der Insel zum Festland
Während das Meer die Insel Wulpen im 16. Jahrhundert fast vollständig verschlang, wuchs Cadzand gerade mit dem umliegenden Land zusammen.
- Verschwundener Nachbar: vom einst blühenden Wulpen mit seinen vier Pfarreien blieb nach mehreren Sturmfluten nichts übrig.
- Zusammengewachsen: durch neue Eindeichungen wurde Cadzand zuerst mit Groede und Zuidzande und im 18. Jahrhundert auch mit Oostburg verbunden, womit es keine Insel mehr war.
- Priele als Narben: die gewundenen Priele und kleinen Deiche, die Sie bei einer Radtour durch die Polder sehen, sind Überreste alter Rinnen und Deichbrüche.
Raum für das Meer: im Willem-Leopoldpolder und im Zwin erhalten die Gezeiten heute wieder bewusst Raum, sehr zur Freude von Vögeln und Wanderern.
Hugenotten und Auswanderer
Cadzand war im 17. und 19. Jahrhundert sowohl ein Zufluchtsort als auch ein Ausgangspunkt.
- Französische Flüchtlinge (1685): protestantische Hugenotten aus der Gegend um Calais ließen sich ab 1685 auf Cadzand nieder, und Familien wie Morel und Van Houte halfen beim Wiederaufbau einer Kirche.
- Große Auswanderung (1847): 1847 wanderten viele Einwohner von Cadzand auf der Suche nach einem besseren Leben in die Vereinigten Staaten aus, unter anderem mit dem Segelschiff Maria.
Vom Bauerndorf zum Badeort
Erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entdeckten die ersten Badegäste den breiten Strand von Cadzand.
- Das Badhuis (1866): Landwirt Guust Albregts aus Breskens verkaufte seinen Hof und eröffnete in den Dünen ein Gasthaus mit Gästezimmern, und etwa zur gleichen Zeit tauchte eine Badekutsche auf, die man aus Knokke mietete.
- Erste Hotels (1923): Piet Faas baute das Badhotel und das Hotel-Café De Wielingen, womit Cadzand-Bad als Badeort richtig bekannt wurde.
- Blütezeit in den 1930er-Jahren: in der ersten Hälfte der 1930er-Jahre entstanden fünf weitere große Hotels sowie Sommerhäuser, Villen und Waffelbuden in den Dünen; das Baden im Meer wich einem entspannten Strandtag.
- Massentourismus: nach dem Krieg sorgten mehr Wohlstand, Freizeit und das Auto dafür, dass Cadzand-Bad in den 1950er-Jahren zu einem der großen Badeorte Zeelands wurde.
Der Zweite Weltkrieg und die Befreiung
Während der deutschen Besatzung wurde die Küste von Cadzand Teil des Atlantikwalls, mit schweren Bunkern in den Dünen.
- Mobilmachung und Besatzung: 1939 wurden niederländische Soldaten im Badhuis einquartiert, das die deutschen Besatzer 1941 beschlagnahmten und abreißen ließen.
- Stützpunkt Cadzand-Badhuis: an dieser Stelle entstand ein schwerer Verteidigungskomplex mit bombensicheren Bunkern, der die Zufahrt zur Westerschelde bewachen sollte.
- Operation Switchback: im Herbst 1944 befreiten kanadische Truppen das Südufer der Westerschelde, und vom 30. Oktober bis 2. November wurde hart um den Stützpunkt bei Cadzand gekämpft.
- Letzter deutscher Stützpunkt: am 2. November 1944 ergab sich der Stützpunkt bedingungslos, als letzter deutscher Verteidigungsposten in West-Zeeuws-Vlaanderen.
Schwer beschädigte Kirche: auch die Mariakirche wurde 1944 durch Artilleriebeschuss schwer beschädigt und 1954 erneut restauriert.
Cadzand heute: ein erneuerter Badeort
In den letzten Jahrzehnten veränderte sich nicht nur die Verwaltung von Cadzand, sondern auch das Gesicht des Badeorts.
- Kommunale Neugliederung: am 1. April 1970 ging die selbständige Gemeinde Cadzand in Oostburg auf, und seit Januar 2003 gehört das Dorf zur Gemeinde Sluis.
- Kleines Dorf, lebhafter Sommer: Cadzand zählt rund 750 Einwohner, doch in der Hochsaison ist es dank der vielen Urlauber deutlich lebendiger.
Küstenschutz und Yachthafen: zwischen 2012 und 2017 wurde die Küste mit einer breiten, natürlichen Dünenzone sturmsicher gemacht, die Strandpromenade grün umgestaltet und der Yachthafen von Cadzand angelegt.- Dünen zum Entdecken: durch die verbreiterten Dünen führen heute Wander- und Radwege mit geschützten Sitzplätzen und Blick auf die Schiffe auf dem Weg nach Vlissingen und Antwerpen.









